| Blutpython (Python brongersmai) |
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Blutpythons haben in den letzten Jahren eine „steile Karriere“ gemacht. Noch Ende der 1990er waren diese wunderschönen Pythons nur sehr selten zu bekommen und genossen einen Ruf als aggressive und heikle Pflegklinge. Inzwischen sind die Tiere häufiger zu erhalten und werden regelmäßig nachgezogen. Die ersten Farbvarianten haben zunächst in den USA und dann auch bei uns in Europa die Fangemeinde schnell vergrößert – zurecht! Dennoch haben Blutpythons heute noch immer einen zweifelhaften Ruf bei vielen Terrarianern, was – wie so oft – in vielen Fällen auf längst widerlegten Gerüchten beruht. Sowohl die Aggressivität als auch die problematische Gesunderhaltung trifft eigentlich nur auf Wildfänge wirklich zu; bei tiergerechter Haltung und verantwortungsbewusstem Händling verhalten sich die Tiere auch nicht viel anders als nahe verwandte Pythons oder Boas. Blutpythons besitzen das größte Verbreitungsgebiet innerhalb des Python-curtus-Komplexes. Man findet sie von West-Malaysia und Südwest-Thailand bis nach Sumatra und einigen weiteren indonesischen Inseln. In Europa sind aber fast ausschließlich Individuen von Sumatra und der östlich vorgelagerten Insel Bangka erhältlich. Auf Sumatra haben die Tiere ein bräunliches bis rötliches Äußeres, während die Tiere von Bangka Island extrem rot erscheinen. Diese sind nach meinen Erfahrungen auch etwas ruhiger als ihre sumatranischen Artgenossen, letztere werden auch etwas massiger und länger (max. etwa 200 cm, meistens kürzer).
Erst seit Mitte der 1990er Jahre werden regelmäßig Farmnachzuchten nach Europa exportiert. Leider wurden viele der Pythons nicht artgerecht gepflegt und verstarben schnell. In der Regel waren Atemwegserkrankungen, meist wegen ungünstiger Transportbedingungen oder zu geringer Temperaturen und Luftfeuchtigkeit im Terrarium. Inzwischen haben sich die Bedingungen beim Export deutlich gebessert und immer mehr Terrarianer wissen um die besonderen Haltungsbedingungen, die letztendlich gar nicht so schwierig einzustellen sind. Ich halte meine Tiere in Terrarien zwischen (je nach Größe) 100 und 200 cm Länge, sie bestehen aus wasserfesten Siebdruckplatten und Styropor, jedes Becken ist komplett mit einer künstlichen Felsrückwand, Verstecken und einem mittelgroßen Wasserbehälter ausgestattet. Als Bodengrund nutze ich eine Mischung aus Torf, ungedüngter Pflanzenerde und Rindenmulch, sodass ein saures Milieu im Boden entsteht. Dies sorgt dafür, dass der Bodengrund ständig feucht (nicht nass!) gehalten werden kann ohne dass es schimmeln würde. Etwa zwei Drittel des Terrarienbodens sind angefeuchtet, das letzte Drittel trocken, sodass die Tiere sich den idealen Platz aussuchen können. Die Luftfeuchte beträgt dadurch zwischen 65 und 90 % im Terrarium, meistens mit dem höchsten Wert am späten Abend. Geheizt wird mit handelsüblichen Bodenheizungen. Jungtiere werden in Plastikboxen aufgezogen, in denen die Luftfeuchtigkeit noch höher ist. Eine Aufzucht in deutlich besser gelüfteten Terrarien erwies sich immer wieder als risikoreicher als die Pflege in Kunststoffkisten mit Deckel – natürlich mit Luftlöchern. Dennoch sind diese Kisten in der Regel von Innen beschlagen – ideale Bedingungen für ein gutes Wachstum, da die Babys nicht dehydrieren können. Trotz dieser Verhältnisse muss darauf geachtet werden, dass die Belüftung dafür sorgt, dass der Boden zwar feucht, aber nicht pappig-nass ist.
Zu meinem Bestand gehören neben normal gefärbten Tieren aus verschiedenen Regionen Sumatras und den reinrassigen Bangka-Island-Tieren auch Albinos aus drei amerikanischen Blutlinien (alle T +) sowie die seltenen Blond Albinos, von denen es weltweit nur ein halbes Dutzend Tiere gibt. Außerdem halte ich ein Pärchen Tiger Bloods. Ein besonderes Highlight sind aber natürlich die Matrix-Blutpythons, eine co-dominante Mutation, die homozygot zu Ivorys führt, also fast ganz weißen Tieren mit leichter Zeichnung und schwarzen Augen. Sprich: Matrix mit Matrix verpaart ergibt zu einem Viertel Ivorys! Ein erstes Tier dieser Variante schlüpfte in meinem Brutschrank 2009. Die nächsten Jahre – und manche amerikanische Züchter – werden zeigen, welche spannenden weiteren Varianten in den kommenden Jahren ihre Verbreitung finden. Auf der „National Breeders Expo“ in Daytona Beach werden die „Bloods“ wegen ihrer vielen Variationen und Farbformen längst als legitimer Nachfolger der Königspythons gehandelt. Die Erzählungen über extrem bissige Blutpythons haben – wie erwähnt – einen einfachen Grund: Früher gelangten fast nur in der Natur gefangene Tiere in die deutschen Terrarien. Und wie bei fast allen Pythons sind Wildfang-Tiere eben nur äußerst selten handzahm und natürlich tut es mächtig weh, von so einem Tier gebissen zu werden. Bei selbst aufgezogenen Babys gibt es bissige Tiere allerdings sehr selten, Nachzuchten in x-ter Generation sind nach meiner Erfahrung nicht mehr oder weniger „bissig“ als Boa constrictor. Eine Ausnahme bildet die „Sturm-und-Drang-Phase“ von halbstarken Blutpythons, manche Exemplare sind dann eine Zeit lang recht hektisch. Ich hantiere aber in allen meinen Terrarien ohne Handschuhe, weiß meine Tiere aber auch sehr gut einzuschätzen. Blutpythons sind sehr berechenbar, man sieht, wenn sie „einen schlechten Tag haben“, z. B. weil die Häutung bevorsteht. Und natürlich greife ich nicht in die Terrarien, wenn es nach Futtertieren riecht. Tiere, die grundsätzlich ihren Pfleger angreifen, wenn er vor das Terrarium tritt, kenne ich nur von Wildfängen oder komplett ungehändelten Tieren.
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